Als ich
1953 im Wendener Krankenhaus geboren wurde, war ich noch sehr jung. Meine
Eltern waren gerade nicht zu Hause. Sie waren auf dem Feld Kartoffeln
holen. Es war zwar nicht unser Feld, aber wir holten dort immer unsere
Kartoffeln. Von etwas musste man ja leben. Jetzt vor allen Dingen -
nachdem ich noch unglücklicherweise dazugekommen war.
Ich war
nicht alle Kinder, die wir hatten. Wir waren zu Hause drei Geschwister und
zwar zwei Jungen und ein Mädchen. Ach ja, ein Junge kam nach mir
irgendwann auch noch dazu. Wir schliefen alle in einem Zimmer - es gab ja
nicht viel mehr Zimmer. Das Handtuch stand gleich hinter der Tür. Da wir
nur ein Bett hatten, war es mit dem Schlafen sehr schwierig. Das erste
Kind wurde ins Bett gelegt und, wenn es eingeschlafen war, wieder
herausgenommen und an die Wand gestellt. Dann kam das nächste an die
Reihe. Wann meine Mama schlief, weiß ich nicht genau.
Bei uns
im Keller gab es auch schon ein Herzchenhäuschen mit einem Balken drin,
auch mit einem Eimer Wasser daneben. Einmal in der Woche wurde auch im
Keller in unserer großen Zinkwanne gebadet. Und zwar der Reihe nach: erst
die kleine dreckige Wäsche, dann der älteste Bruder, dann .. und zum
Schluss ich. Natürlich war das Wasser dann immer kalt und wenig. Aber das
war nicht so schlimm, so würde ich abgehärtet, sagte mein Papa.
Große
Wäsche waschen musste immer Mama - einmal im Monat. Aber wir Kinder
mussten immer die Wäsche stampfen, in einem großen, mit heißem Wasser
gefüllten Kessel. Wenn ich beim Stampfen bis 100 gezählt hatte, durfte ich
aufhören. Das wurde dann auch Zeit, weil ich vor lauter Wasserdampf nichts
mehr sehen konnte. War alles fertig gestampft, legte Mama die Wäsche zum
Trocknen auf die Wiese und in die Sonne. Die allerdings war selten zu
sehen. Aber das machte nichts - dann wurden die Sachen eben nass
angezogen. Aber vielleicht waren wir alle deshalb so oft krank. Dann gab's
immer den guten Lebertran und wir wurden schnell wieder gesund
Mit der
Schule klappte es gut, sie lag direkt vor unserem Haus. Ich konnte Mama
immer aus dem Klassenzimmer zuwinken. Dann kam einmal der Oberschulrat zur
Visite. Da ich am intelligentesten aussah, fragte er mich, ob ich ein
Sprichwort wüsste. Ich sagte ihm: "Ein Narr kann mehr fragen, als zehn
Weise antworten können." Er lief gleich rot an und schmierte mir eine.
Bestand aber darauf, dass ich noch ein Sprichwort sagen sollte. "Gewalt
geht vor Recht" sagte ich dann. Da kam gerade der Schulleiter herein und
wollte auch ein Sprichwort von mir hören. Ich sagte: "Ein Unglück kommt
selten allein." Danach durfte ich für diesen Tag nach Hause gehen - ich
weiß bis heute nicht warum.
Anschließend
kam ich zu einem Geschäft in die Lehre. Mein Chef war sehr neugierig und
fragte mich nach meinen Erfahrungen und Kenntnissen in meinem doch noch so
jungen Leben. Ich sagte nur: "Ich habe nach der Schule immer in unserer
Fischfabrik den Ölsardinen die Augen zugedrückt, bevor sie in die Büchse
kamen. Ihm viel auf, dass ich eine sehr langsame Aussprache habe und er
fragte mich, ob ich überhaupt etwas schnell machen könne. "Ja", sagte ich,
"ich werde schnell müde."
Er
stellte mich dann aber doch ein. Ich kapierte alles recht schnell und
hatte erkannte flott, dass kein Kaufmann in den Himmel kommen kann. Warum?
Weil ich schon in meiner Lehre keinen Verkäufer finden konnte, der unsere
Kunden nicht übers Ohr haute. Ich durfte oft in der Filiale im Nachbarort
aushelfen. Als ich auf dem Weg zum Bahnhof war, traf ich meinen alten
Freund Karl-Josef. "Mensch Meinolf, wollen wir nicht zusammen fahren?"
"Nee, Karl-Josef" erwiderte ich, "ich bin schon zusammengefahren, als ich
dich sah." "Übrigens Meinolf, du hast deine Kappe verkehrt herum auf!"
"Wieso das," fragte ich, "Du kannst doch nicht wissen in welche Richtung
ich gehe."
Die
Bundesbahn ist doch eine herrliche Einrichtung, dachte ich. Grund zu
diesem Lob gab mir der Herr gegenüber. Er fuhr von Olpe nach Attendorn und
ich von Attendorn nach Olpe. Nur mit dem Unterschied, ich saß so herum und
er saß so herum. Unterwegs zählte er Schafe. Einmal kam ich ihm zuvor und
sagte: "62 Stück." "Wie konnten Sie denn das so schnell herausbekommen?"
"Ja," sagte ich, "ich habe die Beine gezählt und dann durch vier geteilt."
Ich kam
in meiner Freizeit zum Theater. Ich habe im "Wildschütz" die wilde Sau
gespielt. In einem anderen Theaterstück hatte ich auf die Bühne zu kommen
und zu sagen: "Sie kommen noch nicht." Als ich in der Ritterrüstung auf
der Bühne stand, entdeckte ich vor mir einen kleinen Kasten, aus dem eine
Frau herausguckte und mir zuflüsterte: "Sie kommen noch nicht." Da habe
ich nur gesagt: "Na, dann eben nicht!" und bin wieder gegangen. Das
Publikum schrie und tobte und stürmte die Kassen nach der Vorstellung. Man
warf auch mit Blumen nach mir, aber da hingen noch die Töpfe dran. Der
Direktor sagte, ich sei unbezahlbar und ein vollwertiger Ersatz für Gustav
Gründgens: Ich hätte an seiner Stelle sterben sollen. Ich habe dann auch
kein Geld bekommen. Dafür gab er mir die Hand - mitten ins Gesicht. Ich
konnte ihn schon damals nicht verstehen.
So
vergingen die Jahre wie im Fluge. Bis heute. Mittlerweile habe ich eine
eigene Familie gegründet. Und das bereits vor über 35 Jahren. Nur das mit
dem Herzchenhäuschen, dem Baden und dem Wäschewaschen geht heute etwas
anders - unter anderem. Scheint alles ganz normal zu laufen - mit meinem
Lebenslauf!
Wer möchte Freunde und Bekannte wieder finden?
Einladung zu
"Stayfriends"
Einladung zu "Wer kennt wen?"